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Unser Hafen // Vintage-Kinderbuch

Ich weiß, ich weiß. Ich habe das hier schon von vielen alten Kinderbüchern behauptet. Und ich werde es sicher noch über so einige alte Kinderbücher sagen. Aber dieses ist  w i r k l i c h  das allerschönste, was ich je gesehen habe!

Auf den ersten Blick ist es nur ein Buch über Hafen, Kräne und Schiffe in den tollsten Farben.

Und dann schlägt man die erste Seite auf und merkt plötzlich, dass es um seine Stadt geht.

Der aufmerksame Rostocker wird sogar das ein oder andere Bauwerk im Buch tatsächlich wiederkennen.

Das Papp-Bilderbuch stammt aus den 70er Jahren der DDR, als Weizen und Holz noch Importschlager waren…

…während vom Rostocker Hafen das gute VEB-Spielzeug in die weite Welt exportiert wurde.

Und zur Ostseewoche feiern alle eine große Party!

In Kinderbüchern ist die Welt eben einfach und bunt.

„Unser Hafen“, erschienen 1975 im VEB Postreiter Verlag, für Kinder ab 3 Jahren. Danke Schwesterherz!<3

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Kinderzeichnungen zu Brecht

Ich hatte es mit einem kleinen Teaser ja bereits angekündigt und irgendwie nicht wirklich damit gerechnet, dass jemand dieses Buch erkennen würde.

Aber jemand hat!

Und zwar kein geringerer als meine Schwester. Ja, da könnte man jetzt wilde Familienmauschelei vermuten. So war’s aber nicht, darauf ein großes Indianerehrenwort. Vielleicht muss ich noch dazuschreiben, dass sie im 200 km entfernten Berlin lebt, mich viel zu selten in Rostock besucht und keinen Zugriff zu meinem Buchregal hat. Sie hat es einfach erkannt. Und das macht mich fast ein bisschen Stolz. :)

Mit dem Brecht ist das ja so eine Sache, entweder man verehrt oder verteufelt den Herrn. Meinungen über ihn als Frauenverbraucher und kapitalistischen Kommunisten hin oder her: Ich bin ihm durchaus positiv gesinnt. (Ich hatte eine beeindruckende Deutschlehrerin und ein paar prägende Germanistik-Seminare.)

Daher war ich umso entzückter, als mir eines Tages nach all der brecht’schen Erwachsenenlektüre das Insel-Büchlein Nr. 930 in die Hände fiel: „Kinderzeichnungen zu Brecht“ aus dem Jahr 1972. In den 60ern hatte es wohl anlässlich des 70. Geburtstages von Bert einen kleinen Wettbewerb an Schulen gegeben. Helene Weigel persönlich lud Zeichenlehrer ein, mit Kindern Gedichte oder Theaterstücke Brechts zu illustrieren. Als schnieke Preise winkten „Plattenspieler mit Brecht-Schallplatte, Faltboot, Heule, Rollschuhe, Skier“. (Bitte klärt mich doch jemand auf: Was ist ein/e Heule? Welches tolle Spielzeug wurde mir da in meiner Kindheit vorenthalten?)

Es war einmal ein Rabe aus Tierverse – René, 8 Jahre, Tempera

 

Wenn die Haifische Menschen wären – Gisela, 16 Jahre, Linolschnitt

 

Kinderkreuzzug – Regina, 14 Jahre, Feder und Pinsel

 

Im Nachwort liest man, es gingen fast 3000 Zeichnungen beim Berliner Ensemble, dem Preisverleih- und Austellungsort, ein. Von diesen wurden die 600 ‚besten‘ ausgezeichnet. Und wiederum davon wurden dann die ‚allerbesten‘ in dem kleinen Insel-Buch veröffentlicht. Ich lese gern darin und staune über die Gestaltungskraft der Kinder, man kann sich lange in den Bildern vertiefen.

 

Quelle: Kinderzeichnungen zu Brecht. Insel-Bücherei Nr. 930. Insel: Leipzig 1972.

1.Bild  S.15 | 2.Bild S.17 | 3.Bild S.75

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Kinderbuchteaser

Teaser, so heißen ganz neumodern in der Welt der Blogger kleine Vorschaubildchen, mit denen man auf kommende Einträge neugierig macht. Da es lange kein Kinderbuch-Fundstück mehr gab, möchte ich hier demnächst dieses und mein wohl allerliebstes Vintagebüchlein vorstellen. Wer es vorab am Einband erkennt, wird offiziell Blogleser des Monats. ;)

Bis zur Auflösung vergnüge ich mich beim alljährlichen Immergutrocken, tanz im Regen zu den großartigen Those Dancing Days, leg mir einen Bierbauch zu und lass mir die Sonne draufscheinen. Welch ein Fest… Wir sehen und Sonntag!

Quelle: Bild 2

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Bambi Langbein

Jedes Jahr zur gleichen Zeit und doch immer wieder überraschend: Ein Geburtstagsgeschenk wird gebraucht. Und solange ich noch zu Geburtstagsfesten eingeladen werde, gibt es natürlich etwas selbstgemachtes. ;) Für Jemanden, den man auch Bambi nennt und der eine Katze besitzt, passte dieses Blanko-Büchlein perfekt.

Durch meine nicht zu überlesende Leidenschaft für Kinder- und Mädchenbücher besitze ich eine recht große Sammlung solcher. Darunter sind auch viele Bücher, die eigentlich längst im Altpapier gelandet wären, weil sie zu beschädigt sind oder weil sich einfach kein Backfisch* mehr zum lesen finden würde. Ich bewahre sie zunächst vor einer Wiederauferstehung als raues Toilettenpapier und fülle sie stattdessen mit einem neuen Innenleben. So können sie als Tagebuch oder für Skizzen und Notizen weiterverwendet werden.

Jedes Buch enthält neben vielen weißen Seiten auch ein paar der schönsten Originalseiten und hat eine stabile Ringbindung. In meinem Shop gibt es im Moment leider nur einige wenige Exemplare, ich hoffe ich finde bald etwas Zeit für Nachschub.

Grad noch passend verpackt erlebt ‚Bambi Langbein‘ vielleicht schon bald viele neue, aufregende Geschichten, merkt sich wichtige Telefonnummern und verpasst hoffentlich keine anstehenden Termine!

 

*Ich habe kürzlich erst gelernt, dass man diese speziellen Mädchenbücher der 20er bis 70er auch „Backfischromane“ nennt. Sie handeln meist von einem heranwachsenden Mädchen, welches sich in die festen Normen ihrer Umwelt einfügen muss. Am Ende heiratet sie, wird Hausfrau und gibt ihre beruflichen Ziele auf, um sich ganz der Kindererziehung zu widmen.


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Maikäfer im April

„Maikäfer sind die Lieblingskäfer der Kinder. Deshalb werden sie getauscht wie Briefmarken. Nicht einer sieht aus wie der andere. Man kann Wettflüge mit ihnen veranstalten und empfindsame Mädchen zum Kreischen bringen.“ (S. 72)

Ich hab ehrlich keine Ahnung woher dieser Tick für alte Kinderbücher kommt. Vielleicht sind es die Illustrationen, die mich begeistern, vielleicht fasziniert mich auch der ein oder andere kuriose Text, der heute in keinem Kinderbuch mehr zu finden wäre. Hier habe ich wieder ein besonders sehen- und lesenswertes Exemplar, welches auch grad perfekt zur Jahreszeit passt. Dieses Buch stammt aus dem Jahr 1968, trägt den poetischen Titel „Wenn im April die Maikäfer fliegen. Ein Buch vom Frühling.“ und ist vom „Domino-Verein zur Förderung wertvollen Jungendschrifttums.“ Na wenn man da mal nicht schon von der ersten Seite beeindruckt ist.

Neben Liedern, Gedichten, Rätseln und kurzen Erzählungen zum Frühling erfährt man darin auch allerlei wissenswertes über Baumarten, Frühlingsblumen und die Vogeluhr. Das fleißige Bienenvolk wird vorgestellt, Blüten und Früchte einander zugeordnet und ein Kräutergarten angelegt. Das Osterfest mit seinen Bräuchen und Basteleien spielt natürlich auch eine wichtige Rolle. Meine beiden Lieblingsbeiträge aber sind die Fotoserie mit dem Thema ‚Ein Hühnchen bricht aus‘ und die Zeichnung der Unterwelt zur Frage  ‚Wo sind die Maikäfer im Februar?‘:

Mit diesem Fundstück wünsche ich Euch ein schönes Osterfest, inklusive Maikäfer-Besuch. Die sind ja leider extrem selten geworden. Und daran sind nichteinmal die tauschenden, kreischenden, wetteifernden Kinder aus den 60er Jahren Schuld.

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