54°56′N / 018°31′E oder: Der Büchner-Tragödie (vorerst) letzter Teil.

Für alle, die das monatelange Hoffen und Bangen um die Georg Büchner verfolgt haben, klang es im ersten Moment wohl wie ein besonders schlechter Scherz: Auf dem Weg zur Verschrottung nach Litauen versank das ehemalige Kongo- und Ausbildungsschiff am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr vor der polnischen Küste. Was eben noch groß und mächtig im Rostocker Heimathafen über die Kaikante ragte, ruht nun in etwa 40 Meter Tiefe auf dem Grund des Meeres. Ob bis in alle Ewigkeit oder nur bis zu einer möglichen Bergung, hat man jetzt noch nicht sicher entschieden. Ob all die bis zum Meeresboden stinkenden Ungereimtheiten jemals aufgeklärt werden, bleibt weiterhin nur eine große Hoffnung, jedoch scheinen sich nun auch endlich überregionale Medien für das Thema zu interessieren. 

Nach der unglücklichen Vorgeschichte um Verkauf, Verschrottung und Erhalt des Schiffes gefällt mir natürlich die romantische Vorstellung, die Büchner hätte sich lieber den Tiefen des Meeres ausgeliefert, als dem Schneidbrenner. Dort könnte sie dann zumindest als Schiffswrack in Zukunft einer Vielzahl von Riffbewohnern ein zu Hause bieten oder – sollte eine Bergung tatsächlich erfolgen – am Ende doch noch nach Belgien überführt werden und im Museum enden. Fader Beigeschmack dabei bleibt zunächst die Vorstellung, der ominös-geheime Käufer könnte selbst an diesem ‚Unglück‘ noch kräftig verdienen, zur Zeit vermutet man ja vielerorts ganz einfach einen besonders dilettantischen Fall von Versicherungsbetrug.

Lesenswerte Informationen dazu finden sich unter anderem hier, hier und hier. Bleibt nur zu hoffen, dass die bisherige Rostocker Praxis von Desinformation und Vertuschung in Polen ein Ende findet. Kein Schwamm über die Georg Büchner!

MS Georg Büchner und der polnische Schlepper Ajaks am  29.05.3013  (1)

MS Georg Büchner und der polnische Schlepper Ajaks am  29.05.3013

MS Georg Büchner und der polnische Schlepper Ajaks am  29.05.3013

Die Bilder zeigen den Rostocker Stadthafen am 27.05.2013: Die Georg Büchner wird für die Verbringung ins litauische Klapeida vorbereitet. Im Vordergrund ist der polnische Schlepper „Ajaks“ zu sehen, der das Mannöver bis vor Danzig führte und die Büchner nach einem seltsamen Zick-Zack-Kurs schließlich dem Meer überließ.

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13 Responses to 54°56′N / 018°31′E oder: Der Büchner-Tragödie (vorerst) letzter Teil.

  1. Häkel-Kaja 4. Juni 2013 at 06:41 #

    ohne Worte!

  2. hafensonne 4. Juni 2013 at 07:07 #

    schöne Bilder! das Thema hat mich so wütend gemacht, dass wir gestern einen offenen Brief an die Bürgerschaft geschrieben haben. schicke ich Dir, sobald ich auf Arbeit bin!

  3. Hanseatin 4. Juni 2013 at 08:02 #

    Das ist einfach nur alles so unglaublich und traurig – da fällt einem echt nichts mehr zu ein! Das stinkt doch bis zum Himmel! Als ich Freitagmorgen von den ersten Gerüchten über einen Untergang gehört habe, dachte ich auch, das ist ein Scherz! Naja, ….. nur das Lachen blieb aus!
    Danke für diesen Post,
    liebe Grüße

  4. hafensonne 4. Juni 2013 at 08:27 #

    P.S. Danke für die interessanten Links insbesondere auf das-ist-rostock. Und fürs verlinken ;-) haben übrigens einen Offenen Brief geschrieben, werde ich gleich mal online stellen.

  5. Marcel 4. Juni 2013 at 13:30 #

    Das ist schon sehr sehr krass. Auch ich habe zuerst an einen Scherz, ein Gerücht gedacht aber nix war… Aber ganz ehrlich! Da unten ist sie wirklich besser aufgehoben. Sie sollte da bleiben :-)

  6. Delphin 4. Juni 2013 at 19:35 #

    Ich glaube das es noch sehr interessant wird wenn die Polen die Ermittlungen abgeschlossen haben und dann ans Tageslicht kommt wie der Untergang im Detail vonstatten ging. Letztlich ist anhand der Fakten nicht ersichtlich wieso das Schiff es nicht bis nach Klaipeda hätte schaffen sollen. Es war sicher kein Neubau, aber es war nun lange genug im Hafen gelegen, wäre es nicht seetauglich, wäre es schon dort untergegangen oder mit Wasser vollgelaufen. Die tiefliegenden Bullaugen wurden gegen Wellenschlag gesichert. Da spricht erstmal nichts dafür das es einfach so untergegangen ist.

  7. Thea 5. Juni 2013 at 18:08 #

    Alles was mit der Büchner passiert ist, ist sehr sehr seltsam… ein Denkmalschiff, das plötzlich keines mehr ist, die möglichen Rettungen, die alle irgendwie blockiert werden… als wenn jemand genau dieses Ziel den Untergang erreichen wollte. Kann man nur hoffen, daß sie keinen Cent von der Versicherung bekommen und die Büchner dort bleiben kann wo sie ist. LG Thea

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